12.10.2020

Interview mit Kira Mohn zu «Wild like a river»


© Stefan Hobmaier


Deine neue Reihe spielt in einem kanadischen Nationalpark. Wie bist du auf das Setting gekommen?
Ich liebe das Meer, und ich liebe den Wald. Nach meiner letzten Reihe, der Leuchtturm-Trilogie, habe ich sehr schnell beschlossen, dass die neue Geschichte wieder ein Natur-Setting haben soll, aber diesmal mit Wald. Und nachdem zu dem Zeitpunkt gerade ein Kanada-Urlaub im Raum stand … Coronabedingt ist es dazu leider nicht gekommen, doch die Idee zu «Wild like a River» war geboren.


Wenn du «Wild like a River» in einem Satz zusammenfassen müsstest, was würdest du sagen?
Uff, für mich immer eine der schwierigsten Fragen … vielleicht: eine Geschichte über die Liebe zur Natur, die Liebe zu anderen Menschen und die Liebe zu sich selbst.


Die Protagonisten Jackson und Haven wirken sehr verschieden. Haben sie vielleicht auch Gemeinsamkeiten?
Auf den ersten Blick scheint es zwischen Jackson und Haven nur Unterschiede zu geben: Er lebt in der Stadt, sie fast ihr ganzes Leben lang in einem Wald; er hat viele Freunde, sie hat keine; er hatte bereits mehrere Beziehungen, sie hat noch kein einziges Mal auch nur einen Jungen geküsst. Jackson ist selbständig, autonom, erfahren, und Haven ist … all das nicht? Doch, ist sie auch, aber auf eine andere, ihre ganz eigene Art.


Es geht im Buch auch viel darum, wie man von anderen wahrgenommen wird und wie man sich davon beeinflussen lässt. Ist dir dieses Thema besonders wichtig?
Es liegt mir tatsächlich sehr am Herzen. Weil es auch in meinem Leben eine Phase gab, in der mich das, was andere in mir sahen, an Grenzen gebracht hat. Und mit Sicherheit auch, weil ich so oft erlebe, wie Menschen in ihrem Wunsch anerkannt und geliebt zu werden, in einer Masse aufgehen, in der sie ihre besonderen Facetten verlieren. Manche finden erst sehr spät wieder zu sich, andere nie. Ich würde mir wünschen, dass über solche Themen einfach mehr gesprochen wird


Hast du eine Lieblingsszene in «Wild like a River»?
Es gibt eine Szene bei den Athabasca Falls zwischen Haven und Jackson, die ich sehr gerne mag, weil dort etwas, das sich schon eine Weile zwischen den beiden angebahnt hat, erstmals zum Ausdruck kommt. Und ganz allgemein berührt mich jede Szene, in der die zwei Seiten von Haven durchschimmern: die unsichere, verletzliche Haven, die mit vielem, das sie in der Großstadt erlebt, zunächst nicht klarkommt, und gleichzeitig die starke, in sich ruhende Haven, die durch ihre Zeit im Jasper National Park eine Sicherheit in sich gefunden hat, die ihr den Mut und die Stärke gibt, mit jeder Herausforderung fertigzuwerden.


Was ist das Ungewöhnlichste, worauf du bei der Recherche für die Bücher gestoßen bist?
Also, abgesehen davon, dass mich wirklich beeindruckt hat, wie viele Beispiele für die Liebenswürdigkeit der Kanadier ich gehört habe, ist mir ein Bericht besonders in Erinnerung geblieben. Und zwar ist der von einem der Camper, mit denen ich gesprochen habe. Der war im Spätsommer im Jasper National Park unterwegs und schwört, er sei mitten in der Nacht aufgewacht, weil er seltsame Geräusche gehört hat. Irgendein Tier hätte sich direkt neben dem Zelt zu schaffen gemacht, und es hat geschnaubt und gegrunzt, und schließlich sei es weitergetrottet, so dicht am Zelt vorbei, dass es die Zeltwand gestreift hat. Am nächsten Morgen hieß es, Bären seien auf dem Campingplatz gewesen. Bei der Vorstellung, in einem Schlafsack zu liegen, und direkt neben mir, nur durch dünnen Zeltstoff getrennt, schnüffelt ein neugieriger Bär, stellen sich mir stellvertretend die Haare auf.


Da passt die letzte Frage ja perfekt: Wenn man dich mit einem Zelt in der kanadischen Wildnis aussetzen würde … kein Problem oder O-Gott-ich-werde-Bärenfutter?
Vor einem Jahr hätte ich noch gesagt: hundert prozentig Bärenfutter. Mittlerweile allerdings habe ich mich so umfassend in das Thema eingelesen, habe mit Fernwanderern gesprochen und mit Leuten, die mehrere Monate im Jahr mit ihren umgebauten Kleinbussen unterwegs sind, habe Packlisten studiert und selbst erstellt und tausend Geschichten darüber gehört und gelesen, was einem irgendwo im Nirgendwo so alles zustoßen könnte – ich denke, mit ein bisschen Vorbereitung wäre ich gerüstet. So bald wie möglich möchte ich auf jeden Fall den kanadischen West Coast Trail abwandern, spätestens dann wird sich ja zeigen, ob meine Zuversicht angemessen ist oder nicht.


  • Coverbild Wild like a River

    Kira Mohn

    Wild like a River

    In der Stille des Waldes hörst du dein Herz ...
    Haven lebt als Tochter eines Rangers in einem von Kanadas Nationalparks. Nirgends fühlt sie sich so wohl wie in der wilden Natur. Menschen hingegen verunsichern sie. Sie weiß nie, was sie sagen, wie sie sich verhalten soll. Die meisten Leute finden sie seltsam. Doch dann begegnet sie Jackson, einem ...

    Paperback  € 12,99

    Auch als E-Book erhältlich

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